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Dein Betriebswissen gehört nicht ins KI-Tool, sondern in eine Textdatei

Fast jeder Betrieb, der KI ernsthaft nutzt, hat irgendwo Anweisungen hinterlegt. Im Custom GPT, im Claude Project, im Chatbot-Backend. Seit ein paar Wochen gibt es dafür ein offenes Format, das inzwischen fast jedes größere KI-Werkzeug liest. Das klingt nach Technikdetail, ist aber vor allem die Frage, wem dein aufgeschriebenes Wissen gehört.

Christian Denzer Werkzeuge · Bauanleitung

Wo dein Wissen heute liegt

In den Workshops kommt regelmäßig derselbe Moment. Jemand hat sich richtig Mühe gegeben und in einem Custom GPT eine ordentliche Anweisung hinterlegt. So schreiben wir Angebote, das sind unsere Standardsätze, das machen wir nie, bei diesen Fällen fragen wir zuerst den Chef. Eine halbe Seite Text, entstanden über Monate, jedes Mal nachgeschärft, wenn etwas schiefging.

Ein paar Monate später will derselbe Betrieb Claude testen, weil die Texte dort besser klingen. Und dann sitzt jemand da, kopiert das Feld heraus, sofern er es überhaupt wiederfindet, und baut alles neu auf. Beim nächsten Werkzeug wieder. Das ist kein Drama, es kostet einen Nachmittag. Aber genau dieser Nachmittag ist der Grund, warum viele Betriebe bei einem Werkzeug bleiben, von dem sie längst nicht mehr überzeugt sind.

Das Wissen ist dabei nie das Problem. Das Problem ist, dass es im Werkzeug wohnt statt im Betrieb.

Was sich gerade geändert hat

Für dieses eine Problem gibt es jetzt eine Antwort, und sie ist erfreulich unspektakulär. Sie heißt Agent Skills und besteht aus einem Ordner mit einer Textdatei darin. Die Datei heißt SKILL.md, enthält oben einen Namen und eine kurze Beschreibung, darunter die Anleitung in normaler Sprache. Daneben dürfen Vorlagen, Beispieldokumente oder kleine Skripte liegen. Mehr ist es nicht.

Interessant ist, wer das inzwischen liest. Das Format kommt ursprünglich von Anthropic, wurde als offener Standard freigegeben und wird laut der offiziellen Übersicht auf agentskills.io unter anderem von Claude, Claude Code, ChatGPT und Codex, Cursor, GitHub Copilot, VS Code, Gemini CLI, JetBrains Junie, Goose, Mistral Vibe und Datenplattformen wie Snowflake und Databricks unterstützt. Anfang August ist mit Agent Plugins ein gemeinsames Paketformat dazugekommen, hinter dem OpenAI, Amazon, Microsoft, Cursor und Vercel stehen. Es packt genau diese Anleitungen zusammen mit Werkzeugzugängen in einen Ordner.

Für einen Betrieb ist daran nur eine Sache wichtig: Konkurrenten, die sich sonst um nichts einig sind, haben sich hier auf dasselbe Dateiformat geeinigt. Das passiert selten und es hält meistens länger als ein einzelnes Produkt.

Der Mechanismus dahinter heißt progressive disclosure und erklärt, warum das billig bleibt. Der Agent lädt beim Start nur Name und Beschreibung jeder Fähigkeit. Erst wenn eine Aufgabe wirklich dazu passt, liest er die vollständige Datei. Du kannst also dreißig Anleitungen vorhalten, ohne dass jede einzelne Anfrage teurer wird.

Wie so eine Datei bei einem KMU aussieht

Nimm das Angebotsschreiben, das ohnehin jeder Betrieb hat. Statt es in ein Eingabefeld zu tippen, legst du es als Datei ab.

Was ich selbst damit mache

Mein eigener Assistent läuft seit Monaten genau so. Ein Ordner, darin pro Fähigkeit eine Markdown-Datei mit Kopfzeilen und einer deutschen Beschreibung. Vor jeder fachlichen Aufgabe wählt eine kleine Vorschaltlogik höchstens drei passende Dateien aus und liest nur diese vollständig. Alles andere bleibt liegen.

Ehrlich dazu: Bei mir wächst dieser Ordner bisher nur. Ich habe noch nie eine Fähigkeit gelöscht, obwohl mit Sicherheit welche darin stehen, die nichts mehr beitragen. Das ist der offene Punkt an dem Ansatz, und er trifft einen Betrieb genauso. Aufgeschriebenes Wissen veraltet, und wenn niemand aufräumt, führt die KI irgendwann Preise von vorletztem Jahr ins Feld. Ein fester Termin, an dem jemand einmal im Quartal durchgeht, gehört dazu.

Wo ich vorsichtig bleibe

Zwei Dinge, damit hier keine falsche Erwartung entsteht.

Erstens ist der Standard heute noch überwiegend in Werkzeugen für Entwickler zuhause. Wer als KMU im normalen ChatGPT-Fenster arbeitet, kann dort nicht einfach einen Ordner hineinziehen. In den Chat-Oberflächen kommt das gerade erst an. Es lohnt sich also nicht, deswegen das Werkzeug zu wechseln.

Zweitens wird eine schlechte Anleitung nicht dadurch gut, dass sie in einem portablen Format liegt. Wer eine Verbotsliste mit vierzig Punkten in eine Datei schreibt, hat danach eine portable Verbotsliste mit vierzig Punkten. Warum das der falsche Weg ist, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

Fazit

Wechsle nichts. Ändere nur die Reihenfolge. Schreib ab heute jede KI-Anweisung zuerst in eine Datei auf deinem eigenen Laufwerk und kopiere sie von dort ins Tool, nicht umgekehrt. Das kostet dich null Euro und keine zusätzliche Arbeitszeit, weil du den Text ohnehin schreibst.

Der Unterschied zeigt sich in dem Moment, in dem du das Werkzeug wechselst, einen zweiten Standort anbindest oder ein neuer Mitarbeiter fragt, wie das hier eigentlich läuft. Dann hast du entweder ein Feld in einer fremden Oberfläche oder einen Ordner, der dir gehört.

Über mich

Ich bin Christian Denzer und baue KI-Agenten für KMU in Schleswig-Holstein und darüber hinaus. In Workshops und Erstgesprächen sortieren wir zuerst, welches Wissen im Betrieb überhaupt aufgeschrieben gehört. Meistens ist das der Teil, der länger dauert als die Technik.

Quellen: Agent Skills, offizielle Übersicht und Client-Liste (Format, progressive disclosure, unterstützte Werkzeuge, Freigabe als offener Standard durch Anthropic) · OpenAI, Agent Plugins (Bündelung von Skills und MCP-Servern in einem Paket). Einordnung für KMU aus eigener Arbeit an Kundensystemen und dem eigenen Assistenten, Mai bis August 2026.

AI Sprint im August in Husum

12., 19. oder 26. August, jeweils 18:00–21:00 Uhr. 249 € inkl. USt, mehrere Plätze frei.

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Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von Christian Denzer redaktionell geprüft.